Alex hat von seinen Kumpels einen Gutschein zum Speed-Dating geschenkt bekommen. Er zweifelt allerdings, ob er ihn einlösen soll. ‘Das ist doch viel zu oberflächlich’, denkt er.

Ich frage ihn, wie ein nicht oberflächliches Gespräch für ihn aussieht. Er antwortet, dass er sich mit einer Frau in Ruhe austauschen möchte und schauen, ob bestimme Interessen übereinstimmen. Smalltalk ist einfach nicht seine Sache.

Ich frage ihn, wie erfolgreich er mit dieser Herangehensweise bisher war. „Nicht ganz so erfolgreich“, lautet die Antwort.

Mir ist klar, dass Alex eine Frau kennenlernen möchte, die seine Wertvorstellungen teilt, und dass er nicht nur ein Abenteuer sucht.

Ich erkläre ihm, dass Speed-Dating nichts zwangsläufig oberflächlich sein oder nur auf schnellen Sex herauslaufen muss. Es geht vielmehr darum, wie man es in einer kurzen Zeit schafft, sich von seiner stärksten Seite zu präsentieren. Und das kann jeder lernen.

Analyse Flirt Coach

Alex ist von der Idee, das Speed-Dating auszuprobieren, zuerst überfordert. Deswegen ist er sehr skeptisch. Er weiß nicht richtig, wie er eine Frau ansprechen soll und genauso wenig er sich in knapp zehn Minuten von seiner besten Seite zeigen soll.

Das ist zugegebenermaßen am Anfang und ohne Anleitung auch gar nicht so einfach, vor allem nicht, wenn man etwas schüchtern ist. Aber auch das erste Bewerbungsgespräch ist nie einfach und trotzdem trauen sich viele, mit mehr oder weniger Erfolg.

Im Grunde ist das Ganze vergleichbar mit dem sogenannten Elevator Pitch, also der Aufgabe, jemanden während der kurzen Dauer einer Fahrstuhlstuhlfahrt von einer Geschäftsidee zu überzeugen. Nur das es in Alex’ Fall nicht um eine Geschäftsidee geht, sondern um ihn selbst.

Auch seine Bedenken hinsichtlich der Ernsthaftigkeit der ganzen Sache waren unbegründet. Denn selbst innerhalb kürzester Zeit kann man herausfinden, welche Absichten jemand hat. Und wenn es nur über eine ganz direkte, sogenannte Selbstkundgabe läuft, wie zum Beispiel: „Ich suche eher was Längerfristiges – und du?“

Zum Glück ließ sich Alex am Ende überzeugen und hatte mehrere schöne Dates. Er machte viele positive Erfahrungen und seine Freunde freuten sich, ihn auf diese Idee gebracht zu haben.

Strategie Flirt Coach

Beim Flirt Coaching beschäftigen wir uns zuerst damit, wie Alex sich überhaupt selbst sieht und wie er es schaffen kann, authentisch rüberzukommen. Das machen wir mit typischen Life Coaching Tools wie den „Big 5“ der Persönlichkeit oder mit dem Enneagramm.

Bisher würde Alex sich selbst als harmoniebedüftig und bequem beschreiben. Es überrascht kaum, dass er Begriffe wählt, die eher negativ klingen, denn sein Selbstwert ist nicht sehr hoch. Auch auf eine Frau würde eine solche Selbst-Charakterisierung ziemlich ungünstig wirken.

Nachdem wir jedoch einige der oben genannten Tools angewandt haben, sieht sich Alex vielmehr als Lebensgenießer und als Teamplayer. Das klingt gleich viel sympathischer und lässt sich außerdem leichter in ein Gespräch einstreuen. Im weiteren Verlauf unserer Sitzung arbeiten wir noch mehr positive Seiten seiner Persönlichkeit heraus.

Dabei geht es nicht darum, seinen Gesprächspartnerinnen etwas vorzumachen, denn es ist wichtig, dass er bei sich selbst bleibt in sich in allen Beschreibungen wiedererkennt. So fühlt er sich gut und kann sicher und authentisch auftreten. Nicht zuletzt auch, weil Frauen es schnell durchschauen, wenn ein Mann etwas vorgibt zu sein, was er nicht ist.

Ich schlage Alex zudem vor, dass er einen Gruppenkurs besucht. Obwohl er erst skeptisch ist, willigt er schließlich ein und ist danach überrascht, wie viel ihm der Austausch mit anderen gebracht hat. Er hat festgestellt, dass sein Verhalten ganz normal ist und das viele Männer beim Flirten ähnliche Probleme haben. Das Feedback der anderen hat ihm gut getan und die gemeinsamen Probleme haben die Gruppe zusammengeschweißt.

Die Praxis

Mit Rollenspielen haben wir die reale Situation nachgestellt. Alex fragt sich, ob er cool genug wirkt, und ich erkläre ihm, dass er einfach nur er selbst sein soll, und zwar so, wie er immer dann ist, wenn er gut drauf ist.

Außerdem hat er Angst, womöglich zu nett zu sein und dadurch in der sogenannten Friendzone zu landen. Doch das kann er vermeiden, indem er zeigt, dass er sein Leben im Griff hat und und weiß, was er will. Wir reden über Körpersprache und das subtile Verteilen von Komplimenten, so dass seine Flirtversuche nicht scheitern.

Ganz wichtig ist zudem, dass Alex beim (Speed-)Dating nicht die ganze Zeit um sich selbst kreist und sich Sorgen um seinen Auftritt macht. Er soll den Fokus nicht auf sich selbst richten, sondern auf die Frau. Die Frage ist nicht: Wir wirke ich auf sie? Sondern, Wie wirkt sie auf mich? Alex soll soll sich mit der Frau beschäftigen und herausfinden, ob er sie interessant findet.

Als das Speed-Dating schließlich stattfindet, gibt es tatsächlich eine Frau, die seinen neu erlernten Verführungskünsten nicht widerstehen kann. Einige Tage  später hat er ein schönes Date. Er ist jetzt überzeugter von seinem Flirt-Verhalten und fühlt sich gestärkt in seinem Selbstwert.

Tipps fürs Speed-Dating

  1. Flirte! → Trau dich, dein Gegenüber anzuschauen und vergiss nicht zu lächeln. Rede nicht zu schnell! → Zeige, dass du unbeeindruckt bist von dem knappen Zeitfenster.
  2. Bleib locker! → Du darfst auch mal laut denken oder eine kurze Pause aushalten.
  3. Stell nicht zu viele Fragen! → Stelle nur relevante oder auch originelle Fragen.
  4. Manipuliere nicht! → Klopfe keine auswendig gelernten Sprüche und versuche nicht, souveräner zu wirken, als du bist.
  5. Mach nicht bloß Smalltalk! → Bringe auch etwas Tiefe ins Gespräch.
  6. Versuch, subtile Komplimente zu machen! → Sage etwas Nettes, aber schleime dich nicht ein.
  7. Such nach Gemeinsamkeiten! → Probiere, eine Verbindung herzustellen.
  8. Kommuniziere wertfrei! → Vermeide negative Gesprächsthemen, genauso wenig solltet ihr euch gemeinsam über etwas aufregen oder über jemanden lästern.
  9. Zeig Einfühlungsvermögen! → Zeige dich interessiert und hake nach.
  10. Zeig Emotionen! → Deine Begeisterung beweist , dass du Spaß am Leben hast. Präsentier deine Stärken! → Du darfst dich ruhig von deiner besten Seiten zeigen, so lange du dabei authentisch bleibst.
  11. Zeig, dass du mehr bist als dein Job! → Erzähle gute Geschichten oder eine lustige Anekdote.
  12. Sorge dafür, dass dein ‘Ich‘ nicht wie ein fließendes Konzept ist! (Tipp aus dem Film „Hitch, der Date Doktor“)© Timo ten Barge [06.03.2019]